Am richtigen Ort zur rechten Zeit: Die wohl bekannteste Schrift der Welt, ein delikates Erbe.

Sie ist überall und wird auch nicht so bald verschwinden.

In den 64 Jahren, seit Max Miedinger, Eduard Hoffmann und die Haas’sche Schriftgiesserei Helvetica in die Welt gesetzt haben, hat diese Schrift die Designszene erfreut, bestürzt, gefesselt und verwirrt.

Die Wahrheit ist, dass es keinen „falschen“ Weg gibt, sich mit Helvetica zu beschäftigen. Man kann sie lieben oder hassen, sie für alles verwenden oder gar nicht. Sie sieht anderen Schriften zum Verwechseln ähnlich, wird oft übersehen, springt manchmal ins Auge, ruft leidenschaftliche Reaktionen hervor und erträgt all diese mit Leichtigkeit. Sie ist eine Art Kōan: nichts und alles auf einmal.

Wie auch immer man über Helvetica denkt, niemand kann ihren festen Platz in unserer Kultur leugnen. Von der Nase des Space-Shuttles bis hinunter zu den schummrigen Tiefen des New Yorker U-Bahn-Systems … Helvetica ist immer schon da, bevor wir es sind.

„Sie ist wie Vanille.“ sagt Monotype Type Director Charles Nix. „Oder Papier … ein allgegenwärtiges Gefäß für Gedanken“.

Sie ist überall und wird auch nicht so bald verschwinden.

Die Macht der Einfachheit

Das Durchschnittsauge erkennt nichts Besonderes am Aussehen der Helvetica-Buchstaben. „Die ihr innewohnenden Qualitäten sind unspektakulär“, sagt Terrance Weinzierl, Senior Type Designer bei Monotype. „Eine typische Neo-Grotesk mit gleichmäßigen Proportionen, geringem Strichkontrast und einer einfachen und logischen Ausführung der Details.“

Helvetica auf den Punkt gebracht: Einfach, sauber, anspruchslos – die Schrift ohne Eigenschaften. Aber genau diese eine Eigenschaft verleiht Helvetica ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten; sie bringt Ordnung in fast jeden Job, vom Firmenlogo über ein Ladenschild bis hin zum Steuerformular.

Helvetica

Helvetica ist seit langem bei Unternehmen beliebt, die einen sauberen, einfachen und direkten Look suchen.

Helvetica ist seit Jahrzehnten die erste Wahl für internationale Marken, die sich einfach und klar präsentieren möchten.

„Die Menschen kommen gar nicht auf die Idee, dass Helvetica etwas anderes sein will als Schrift“, sagt Nix. „Sie ist der Prototyp einer Schrift. Eine Schrift, von der jeder schon mal gehört hat. Selbst ohne sie zu kennen, denken viele zuerst an Helvetica, wenn es um eine Schrift „ohne Füsschen“ geht.

Ihre Fans lieben sie genau aus diesem Grund, und wegen nichts anderem. Wenn sie ordentlich eingesetzt wird, kommt Helvetica ganz natürlich rüber, fest im Raum verwurzelt, wie sie es schon immer war. Sie organisiert die Welt um sich herum. Auch wenn dem Laien beim Betrachten von Helvetica nichts auffällt, geraten Designer ins Schwärmen (selbst solche, die keine Helvetica-Fans sind) über die Präzision, das Handwerk und die Überlegungen, die in das Design der Schrift geflossen sind.

Es ist keine Serif, also nicht an historische Proportionen gebunden, und sie ist nicht neu. Das ist alles.

„Helveticas Neutralität wird weithin geschätzt, und ihre standhafte Perfektion wird sowohl von Schrift- und Grafikdesignern als auch von Nicht-Designern bewundert“, sagt Monotypes Senior Designer Jim Ford, selbst kein Fan der Schrift. „Ich gebe nur ungern zu, wie intelligent Helvetica aus Designsicht ist. Sie hat ganz klar Standards für spätere Schriftentwürfe gesetzt.“

„Ihr Design weist eine Qualität auf, die sehr schwer zu erreichen ist“, ergänzt Nix. „Man muss das einfach respektieren.“

Ein Opfer ihres Erfolgs

Helvetica erfreute sich in den 1960er und 70er Jahren großer Beliebtheit und wurde weltweit zur ersten Wahl, wenn es darum ging, eine moderne, kosmopolitische Eleganz zur Schau zu stellen, vor allem im boomenden US-Markt. Ihre Popularität, gepaart mit den, wie Nix es nennt, „sorgfältig gestalteten Buchstabenformen, die brutal gut lesbar sind“, führte zur Integration von Helvetica in alle neuen Textsysteme, darunter der Fotosatz sowie Mitte der 1980er Jahre das Macintosh-Betriebssystem und die Laserdrucker- Sprache PostScript.

„Sie war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, zum Beispiel gerade in der Hochphase des Fotosatz sehr beliebt“, sagt Steve Matteson, Creative Type Director bei Monotype. „Im Zuge dessen wurde sie zu einem entscheidenden Argument für Unternehmen, die ihre Kunden zum Einstieg in die digitale Satztechnik bewegen wollten. Da Helvetica bereits digital verfügbar war, konnte der Übergang vom Fotosatz zum kostengünstigen Desktop Publishing praktisch nahtlos verlaufen“, ergänzt Matteson.

Man kann sagen, dass ihr Einzug in die Betriebsysteme und Laserdrucker ein Wendepunkt für Helvetica war. Sie entwickelte sich in kürzester Zeit von einer beliebten zu einer allgegenwärtigen Schrift, die nicht nur Designern und Setzereien zugänglich war, sondern allen Benutzern von Personal Computern. In der Designszene ereilte Helvetica der Ruf eines Gebrauchsgegenstands, weil ihre Einzigartigkeit durch ihre Allgegenwart zunichte gemacht wurde.

Helvetica entwickelte sich in kürzester Zeit von einer beliebten zu einer allgegenwärtigen Schrift, die nicht nur Designern und Setzereien zugänglich war, sondern allen Benutzern von Personal Computern.

„Am Ende der 1990er Jahren wurde Helvetica zum Synonym für den Begriff „default“, also die Schrift, die kommt, wenn man sich für keine andere entscheidet“, erinnert sich Ford. „Helvetica wurde gemieden, als ich studierte. Wer sie benutzte, durfte sich von den Professoren anhören, dass man nicht ernsthaft über die Typografie nachgedacht habe.“

Auf gewisse Weise wurde Helvetica das Opfer ihres eigenen Erfolgs. Sie war so konzipiert, dass sie praktisch überall funktionierte, und genau so wurde sie von Millionen Menschen verwendet. „Man kann aber auch sagen, dass ihre Allgegenwart und millionenfache Nutzung ein Beweis für ihr Qualität waren“, bemerkt Alex Roth, bis 2020 Senior Type Designer bei Monotype. „Helvetica ist einfach zu benutzen, funktioniert überall und ist immer verfügbar. Sie verteidigt seit Jahrzehnten ihre Position an der Spitze der Schriftmenüs. Warum sollte man ihr das vorwerfen?“

Ende der 1990er Jahren wurde Helvetica zum Synonym für den Begriff „default“, also die Schrift, die kommt, wenn man sich für keine andere entscheidet.

Im professionellen Design haftete Helvetica bald der Ruf einer Schnellschuss-Lösung an. Wer als Designer keine Zeit oder keine Lust hatte, eine neue oder eine für das Projekt besser passendere Schrift zu findet, nahm einfach Helvetica.

„Jede Schrift kann wegen ihrer Allgegenwart kritisiert werden“, erklärt Toshi Omagari, Senior Type Designer bei Monotype. „Wenn du alle deine Jobs mit der immer gleichen Schrift erledigst, liegt der Vorwurf nahe, dass man sich nicht genug Gedanken über die Schriftwahl gemacht habe. Dieser Mangel an Überlegung ist es, der die Übernutzung einer Schrift verursacht.“ erläutert Toshi Omagari.

Ford ergänzt: „Ich erinnere mich gut daran, wie es bei der Bewertung einer Arbeit hieß ,Wenn Sie Helvetica für ein kreatives Projekt verwenden möchten, sollten Sie einen wirklich zwingenden Grund haben.‘ Denn sehr viele Gründe gäbe es nach Ansicht der Professoren dafür nicht.“

“Die geheime Kunst, mit Helvetica zu arbeiten”

Die dauerhafte Popularität von Helvetica machte auch ihre Mängel deutlich, von denen sich jede Menge in den 20 Jahren nach ihrer Veröffentlichung durch mehrfache Erweiterungen und Neuauflagen ansammelten. Diese Entwicklung gipfelte 1983 im Erscheinen der Neuen Helvetica. Bei diesem umfangreichen Upgrade wurden die historisch gewachsenen und nicht immer zueinander passenden Schnitte neu gezeichnet und besser aufeinander abgestimmt.

Helvetica wurde ursprünglich, wie im Bleisatz weit verbreitet, mit optischen Größen gezeichnet. Die Schnitte der Neue Helvetica dagegen basierten jeweils auf einem Master-Design, optimiert für eine geläufige Lesepunktgröße, das bei der Benutzung in einem Layout-Programm linear skaliert wird. Diese Single-Master-Praxis führte zu einer schlechten Lesbarkeit bei klein gesetzten Texte und zwang die Designer dazu, Kleingedrucktes manuell zu sperren beziehungsweise groß gesetzte Headlines individuell zu verengen. Charles Nix bezeichnet diese Spationierungs-Tricks liebevoll als die „geheime Kunst, mit Helvetica zu arbeiten“. Tatsächlich funktionierte Neue Helvetica – ohne manuelle Eingriffe – nur im Bereich von 9 bis 18 Punkt gut. Die Familie grenzte auch einige populäre Alternativzeichen aus, die zu Bleisatzzeiten gerne verwendet wurden; neuere Währungszeichen oder verschiedene Ziffernarten fehlten in Helvetica bis in die 2020er Jahre.

Helvetica

„Was wir in unserem Digitalisierungs-Eifer in den 1980er und 90er Jahren verloren haben, waren die Feinheiten aus den Blei- und Fotosatz-Zeiten, wo es unterschiedliche Masterzeichnungen für bestimmte Schriftgrößen gab“, erläutert Nix.

In den 2000er Jahren entwickelte sich die digitale Schrift- Technik enorm weiter … was leider nicht auf Neue Helvetica abfärbte. Sie bleib ein Kind der Vor-Internet-Ära, als niemand die Anforderungen ahnen konnten, die moderne Computer und Smartphones an Schriften stellen würden. Der Personal Computer beschleunigte auch das digitale Schriftdesign und das Font-Engineering, was großen und kleinen Foundries erlaubte, umfangreiche und typografisch raffinierte Familien zu veröffentlichen. Typografinnen und Typografen stehen heute Tausende flexibler Schriftfamilien zur Verfügung, von denen viele die (Neue) Helvetica auf Mobilgeräten und hochauflösenden Bildschirmen übertreffen.
„Meiner Ansicht nach gibt es heute so viele gute Schriften“, sagt Jim Ford, „Helvetica hätte schon vor Jahrzehnten überflüssig sein müssen“.

Selbst wenn man Helvetica nicht will, braucht man sie trotzdem.

Und Helvetica hat inzwischen auch Geschichte, eine Geschichte des Erfolgs und der Allgegenwart, die Teil ihrer DNA ist. Während dieser Erbe einige Designer davon abhalten mag, sie zu benutzen, funktioniert es auch als eine Art Herausforderung: Wie können wir dieses Ding, das jeder zu kennen glaubt, neu machen?

Oberflächlich betrachtet, basiert ihre Relevanz auf der Qualität, die sie einst erfolgreich gemacht hat: Ein klares, einfaches, Schweizer Design, das sich einfach weigert, aus der Mode zu kommen. „Selbst wenn man Helvetica nicht will, braucht man sie trotzdem“, erklärt Ford „weil Auftraggeber oder Kollegen sie benutzen.“.

„Gefällt mir Helvetica?“ wiederholt Terrance Weinzierl eine Frage, die ihm schon öfters hergestellt wurde. „Heute ja, morgen nicht mehr. Seit Jahren geht das schon hin und her. Ich habe sie nie wirklich geliebt oder gehasst. Sie ist einfach immer da und macht ihr Ding. Helvetica ist vertrauenswürdig, selbst wenn kein Funke überspringt.“

„Helvetica ist ein Tausendsassa“, ergänzt Hendrik Weber, bis 2020 Creative Director bei Monotype. „Sie hat humanistische Elemente, wie den Schwanz am Kleinbuchstaben a, andere Buchstaben sind fast geometrisch gebaut. Sie sieht konstruiert aus, hat aber gleichzeitig Ausgewogenheit und feine Kontraste. Und sie sieht wirklich modern aus, hat also von allem etwas.

Selbst wenn man Helvetica nicht will, braucht man sie trotzdem.

Und Helvetica hat inzwischen auch Geschichte, eine Geschichte des Erfolgs und der Allgegenwart, die Teil ihrer DNA ist. Während dieser Erbe einige Designer davon abhalten mag, sie zu benutzen, funktioniert es auch als eine Art Herausforderung: Wie können wir dieses Ding, das jeder zu kennen glaubt, neu machen?

„Es fällt mir schwer festzumachen, wie, wann oder warum Helvetica nützlich ist, weil die Frage immer dann aufzutauchen scheint, wenn ich einen Anti-Design-Haltung einnehmen.“ erläutert Jim Ford. „Ich habe Helvetica ein- oder zweimal benutzt, eher missbräuchlich. Ich habe sie entweder zerstört oder fotokopiert, verkleinert, vergrößert und wieder eingescannt … bis zu dem Punkt, an dem sie nicht mehr aussah, wie das digitale Original. Und dann habe ich sie nach meinem Geschmack wieder zusammengesetzt. Helvetica verlockt einen zu Manipulationen.“

 

Ich habe sie nie wirklich geliebt oder gehasst. Helvetica ist einfach immer da und macht ihr Ding.

„In den 1990er und frühen 2000er Jahren begannen Kreative damit, Helvetica als Ausdrucksmedium einzusetzen, indem sie sich auf die ganz leichten und die schwereren Schnitte stützten, um einen provokanten Ton anzuschlagen“, erinnert sich Charles Nix. „Taucht man in die zweite Phase von Neville Brodys sagenumwobener Karriere ein, ist zu erkennen, wie er Helvetica herausforderte und sich über ihre Vergangenheit hinaus bewegte … man denke nur an die weichgespülte FF Blur. Dies war der Beginn einer rund zehnjährigen Phase, in der Heerscharen von Designern entweder Brody kopierten oder sich von ihm dazu inspirieren ließen, Helvetica oder andere Klassiker zu nehmen und diese auf ihre Weise digital zu filtern und überraschend einzusetzen. Das war ein geradezu lehrbuchmäßiger Postmodernismus.

Die wahren subversiven Helvetica-Benutzer nahmen die Schrift an und behaupteten, ihre Neutralität sei schlicht Tarnung.“

Das nächste Kapitel

Die Veröffentlichung von Helvetica Now markiert ein ganz neues Kapitel für den Klassiker. Das Redesign greift direkt die Designmängel der Neuen Helvetica auf: mit drei optischen Größen, die für moderne digitale Anwendungen optimiert wurden und vor allem die winzigen Texte auf den hochauflösenden Bildschirmen der Mobilgeräte im Auge haben. Micro ist für 3, 4, 5 und 6 Punkt gedacht, Text für 8, 9, 10, 11, 12 Punkt und alles darüber hinaus, von 13 bis unendlich, kann mit Display gelöst werden.

Helvetica Now enthält auch viele beliebte Alternativzeichen und neue Glyphen, wie beispielsweise den Kleinbuchstaben l mit Fuß, ein großes R mit geradem Abstrich, ein dringend benötigtes, neu gezeichnetes @-Symbol (wir erinnern uns, dass Neue Helvetica lange vor E-Mail entworfen wurde) und Nix’ Lieblingsbuchstabe, ein neues £-Symbol.

„37 Jahre sind seit der Veröffentlichung von Neue Helvetica vergangen, und seitdem haben wir uns in der Typografie, gerade in den letzten 10 Jahren, zunehmend an den Gedanken gewöhnt, dass optische Größen wichtig sind.“ sagt Nix. „Die haben wir jetzt mit Helvetica Now zurückgebracht.“

„Die Micro-Version war schon so lange überfällig. Jetzt ist es endlich möglich, Helvetica für ein komplettes typografischen System einzusetzen“, ergänzt Matteson.

37 Jahre sind seit der Veröffentlichung von Neue Helvetica vergangen, und seitdem haben wir uns an den Gedanken gewöhnt, dass optische Größen immer wichtiger werden.

Während die Neuerscheinung sicherlich nicht die Stimmen besänftigen wird, die Helvetica als „überstrapaziert“ einordnen, ist der Klassiker nun bestens dafür gerüstet, einen Neustart hinzulegen. Schließlich ist das Design der Schrift nie in Ungnade gefallen. Die erheblich verbesserte Lesbarkeit und ihre neue Flexibilität machen Helvetica Now zum idealen Begleitern für moderne Marken, jetzt und in der Zukunft. Die richtige Schrift zur richtigen Zeit, wieder einmal.

„Modetrends kommen und gehen, bis etwas zerbricht“, sagt Weinzierl. „Helvetica hat schon einige Wiedergeburten erlebt, und ich erwarte, dass dies so weitergeht. Ich habe mehrfach erlebt, wie sich Designer für eine Schrift entschieden haben, die Helvetica sehr ähnlich war, ohne sich dessen bewusst zu sein. ,Wir hatten Helvetica nicht in Betracht gezogen‘, antworteten sie dann, aber es war genau ihr Stil, den sie suchten. Ich bin sicher, dass unsere Neuerscheinung vielen Benutzern helfen wird, Helvetica auf neue und bessere Weise zu verwenden.“

Bei allem was sie überdauert hat, könnte man Helvetica mit Fug und Recht als zeitlos bezeichnen. Jedes Mal, wenn Helvetica kaputt geredet wurde, ist sie wieder aufgestanden, zur Enttäuschung ihrer Gegner und zur Erleichterung ihrer Gläubigen. Doch Toshi Omagari weist auch darauf hin, dass Helvetica noch einen sehr langen Weg vor sich hat, bis sie den Status „zeitlos“ erreichen wird.

Modetrends kommen und gehen, bis etwas zerbricht“, sagt Weinzierl. „Helvetica hat schon einige Wiedergeburten erlebt, und ich erwarte, dass das so weitergeht.

„Die Zeitlosigkeit der Helvetica muss noch bewiesen werden“, erläutert Omagari. „Garamonds Schriften sind rund 400 Jahre alt und immer noch beliebt. Baskerville ist 250 Jahre alt und immer noch populär. Helvetica gibt es noch nicht lange genug, um sie als zeitlos zu bezeichnen, aber sie hat mit Sicherheit das Branding und die Werbung der Nachkriegszeit dominiert.“

„Konzepte können zeitlos sein, aber jede visuelle Darstellung spiegelt immer auch einen bestimmten Zeitgeist wider, einen typischen Geschmack“, ergänzt Roth. „Helvetica bildet da keine Ausnahme. ,Was hält sie relevant?‘ ist vielleicht die wichtigere Frage. Ich denke, es sind die humanistischen Elemente ihres Designs. Die wahre Schönheit liegt in ihren Kurven, nicht in den Winkeln.“

„Ich würde eher sagen, Helvetica entspringt unserer Zeit“, präzisiert Matteson, „aber noch nicht zeitlos. Sie ist seit 50 Jahren beliebt, eine kurze Epoche im Vergleich zu den 1000 Jahren, die die Capitalis monumentalis auf der Trajanssäule in Rom auf dem Buckel hat. Wir werden die Zeitlosigkeit von Helvetica nicht mehr erleben.“

Was hält Helvetica relevant? Ich denke, es sind die humanistischen Elemente ihres Designs. Die wahre Schönheit liegt in ihren Kurven, nicht in den Winkeln.

Nix ist jedoch der Meinung, dass die Schrift aufgrund ihrer Vielseitigkeit auch in den kommenden Jahren ihre Relevanz behalten wird. „Es gibt viele verschiedene Antriebe, warum Menschen Helvetica einsetzen möchten“, sagt er. „Einige setzen auf den Schweizerischen, modernen Aspekt, andere auf ihre Neutralität, wieder andere auf ihre Lesbarkeit, und manche Designer schätzen all dies zu unterschiedlichen Zeiten. Helvetica kann auf sehr unterschiedliche Weise verwendet und inszeniert werden. Keine andere Schrift schafft dieses Kunststück.“

Helvetica

Helvetica Now besteht aus drei optischen Größen, die für verschiedene Anwendungsfälle optimiert wurden.

Wie auch immer man über Helvetica denkt, sie ist darauf vorbereitet, noch eine Weile im Design mitzuspielen. Hendrik Weber glaubt, dass sie einen „Standard“ im Grafikdesigns gesetzt hat, und erwartet, dass Helvetica diesen Standard für die Zukunft bewahrt.

„Wir haben mit Helvetica Now die Möglichkeit geschaffen, den Schweizer Klassiker völlig neu zu erleben“, präzisiert Charles Nix „ihn für ein neues Jahrhundert unverzichtbar zu machen.“

Charles, Hendrik, Steve, Terrance, Alex und Jim gehörten alle zum Designteam von Helvetica Now. Um mehr über Helvetica Now zu erfahren, besuchen Sie die Schriftportraitseite.