Free Fonts: Mehr Kosten als Nutzen?

Irgendwann lohnt sich die Mühe nicht mehr, mit kostenlosen Fonts herumzuexperimentieren.

Designer, die schon einmal Probleme mit schlechter Lesbarkeit oder fehlenden Zeichen hatten, wissen um den Wert hochwertiger Schriften, die von etablierten Foundries stammen. Andere Benutzer sehen jedoch keinen Sinn darin, für Schriften zu bezahlen. Und so haben viele Kreative im Laufe ihres Berufslebens schon den Satz gehört: „Nimm doch einen Free Font!“ 

Es lässt sich nicht leugnen, dass es gewisse Jobs und Situationen gibt, in denen Gratis-Schriften sinnvoll sind. Doch wann überwiegen die Nachteile die Vorteile? Ab welchem Punkt kann die Verwendung kostenloser Fonts zu kostspieligen Problemen führen? Gibt es überhaupt kostenlose Schriften, die zu professionellen Zwecken eingesetzt werden können? Finden wir es heraus!

Wann sind kostenlose Schriften in Ordnung?

Es gibt Umstände, in denen kostenlose Fonts ausreichen und sogar von Vorteil sind. Systemschriften beispielsweise eignen sich – abgesehen davon, dass sie als Fallback-Fonts stets zuverlässig funktionieren – immer auch gut für Testumgebungen auf Entwicklerplattformen. Sie sind ideal für Produkte in der Beta-, Test- oder Demo-Phase. Wann immer Sie also eine Schrift für Ihre Textverarbeitung, für Tabellen, E-Mails oder für eine Büronotiz brauchen, leisten die hierfür passenden Free Fonts ganze Arbeit. Als Faustregel gilt: Gratis-Fonts sind die beste Lösung für die schnelle, interne Abstimmung.

Je größer Ihr Unternehmen wird und je mehr Sie ihre Marke professionell positionieren und Ihre Produkte und Dienstleistungen auf dem Markt differenzieren möchten, umso problematischer sind kostenlose Schriften jedoch. Spätestens dann wird es nämlich richtig aufwendig, die Lizenzen der Free Fonts hinsichtlich ihrer kommerziellen Nutzung zu überprüfen, zu verwalten und gegebenenfalls auszutauschen.

Kurzum: Irgendwann verursacht die Verwendung kostenloser Schriften mehr Aufwand, als es die kurzfristige Ersparnis wert ist.

Welche Probleme gibt es, wenn man sich auf kostenlose Fonts verlässt? 

Die Allgegenwärtigkeit kostenloser Schriften macht es schwierig, sie für die Kommunikation von Produkten mit einem definierten Markenimage zu verwenden. Wenn Sie einen USP (Unique Selling Proposition = Alleinstellungsmerkmal) aufbauen und aufrechterhalten wollen oder wenn Sie einzigartige Konsumgüter entwickeln, ist es essenziell, sich auf dem Markt zu differenzieren. Wenn Sie dabei auf Free Fonts setzen, die auch von Tausenden anderer Unternehmen, Websites und Marken benutzt werden, verwässern Sie Ihre Marke. Denn mit einer x-beliebigen Schrift lassen sich die Einzigartigkeit und der Mehrwert Ihrer Produkte nicht glaubwürdig visualisieren. 

Die Schrift ist ein wichtiger Baustein einer jeden Markenidentität und damit entscheidend für die Wiedererkennung und den Aufbau von Vertrauen. Für Unternehmen, die in besonderem Maße auf das Vertrauen ihrer Kunden angewiesen sind (Finanzinstitute, Versicherer, Mobilfunk-Provider, medizinische Dienstleister usw.), kann eine starke Markenidentität eine wichtige Waffe gegen Betrug sein. Free Fonts machen es Betrügern hingegen leicht, Phishing- oder Spear-Phishing-Angriffe zu starten: Sie erstellen einfach Kopien von Websites, E-Mails oder Apps und bringen so das Ersparte, die Identität oder die digitale Geldbörse der Menschen in Gefahr – so erst jüngst wieder geschehen bei PayPal-Kunden.

Abgesehen von diesen Branding-Problemen bringen Free Fonts auch eine Reihe von Leistungsproblemen mit sich. Fonts sind ausführbare Software-Dateien, die mit dem Betriebssystem und mit anderen Anwendungen interagieren. Ohne das wache Auge eines Font-Ingenieurs kann es zu Darstellungsproblemen kommen, beispielsweise wenn Glyphen fehlen (äöü, ÄÖÜ, ß usw.) oder wenn die Laufweite nicht passt und deshalb die Umbrüche nicht richtig funktionieren. Ein Free Font, der von irgendeiner Website heruntergeladen wird, unterstützt garantiert nicht die gesamte Palette von Buchstaben, Sprachen und Diakritika, die in Europa zur Grundausstattung einer Schrift gehören.

Hinzu kommt, dass Open-Source-Schriften, selbst wenn sie aus verlässlicher Quelle stammen, jederzeit geändert, entfernt oder gelöscht werden können. In einem solchen Fall können Sie sich nicht mehr auf die Font-Software verlassen. Selbst die bekanntesten und etabliertesten Open-Source-Font-Bibliotheken aktualisieren von Zeit zu Zeit ihre Dateien. Wenn Sie Fonts aus einer dieser Bibliotheken nutzen und die Buchstabenabstände oder die Unterschneidung angepasst wurden, können die Umbrüche Ihrer Bestandsdokumente oder auf Ihrer Website durcheinandergeraten.

Das wohl größte Problem besteht aber darin, dass mit dem Einsatz von Free Fonts auf Unternehmensebene die rechtlichen und Compliance-Risiken steigen.

An wen würden Sie sich wenden, wenn Sie eines dieser Probleme mit Ihren kostenlosen oder quelloffenen Fonts haben? Gibt es einen Spezialisten, der die von Ihnen benötigten Zeichen oder Lizenzen hinzufügt oder Funktionen der Schriftart ändert, ohne bestehende Abwärtskompatibilitäten einzuschränken oder ältere Dokumente zu beschädigen?

Ist Ihr Free Fonts wirklich kostenlos?

Wenn von kostenlosen Schriften die Rede ist, kann es sich dabei um folgende Kategorien handeln:  

  • Free Fonts: Open-Source-, Freeware-, Shareware-, Public-Domain- oder Demo-Fonts, geladen aus einem Archiv oder einer Schriftbibliothek 
  • OS-Schriften: Fonts, die mit dem Betriebssystem oder der Hardware geliefert werden 
  • Abo-/Software-Zubehör: Fonts, die im Rahmen eines Software-Abos bereitgestellt werden

Viele Nutzer vergessen, dass die Verwendung solcher Free Fonts, wie es bei jeder Software der Fall ist, immer auf einer Endbenutzer-Lizenzvereinbarung (EULA) beruht. Mit Ausnahme der Schriften, die unter die SIL Open Font License fallen, kann dabei im Kleingedruckten der EULA die kommerzielle Verwendung dieser vermeintlich „kostenlosen“ Schriften eingeschränkt sein. Diesen Hinweis findet man entweder in einer Readme-Datei, die dem Download beiliegt, oder indem man auf der Website des Anbieters nach weiteren Details sucht. Aber jetzt mal ehrlich: Wer macht das schon? 

Ob einem das bewusst ist oder nicht: Schriftlizenzen greifen immer dann, wenn ein Font verwendet, kopiert oder weitergegeben wird. Das Verschieben einer Font-Datei ist so einfach wie das Kopieren von Dateien auf einen anderen Rechner durch Drag & Drop, Upload oder das Senden von Dateien an einen anderen Computer. Aber was ist, wenn Sie eine Anwendung installieren, die auf alle Fonts Ihres Betriebssystems zugreifen kann, nur weil sie sich in Ihrer lokalen Font-Verwaltung befinden? Gilt dies dann bereits als Weitergeben? Oder was ist, wenn Sie die Schriften, die mit Ihrem Betriebssystem oder einem anderen Software-Abonnement geliefert werden, in einer mobilen Anwendung verwenden oder auf einem gemeinsam genutzten lokalen Server ablegen? Verstößt das gegen die EULA?

Kurzum: Dass eine Schrift für gewisse Verwendungszwecke kostenlos ist, heißt nicht, dass das für alles gilt, was Sie mit dieser Schrift vorhaben.

Wenn Sie Fonts verwenden, müssten Sie also eigentlich immer die folgenden Dinge im Auge behalten: Welcher Schriftschnitt kommt zum Einsatz, wo befindet sich der Font und was macht er dort? Wenn Sie nur fünf oder zehn Font-Familien einsetzen, mögen diese feinen Unterschiede noch überschaubar sein. Wenn Sie jedoch mit einem Netz von Agenturen zusammenarbeiten oder ein Unternehmen sind, das selbst Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von Fonts einsetzt, wird es zu einer kaum mehr zu erfüllenden und daher oft vernachlässigten Aufgabe, den Überblick über das Kleingedruckte der EULA einer jeden einzelnen Schrift zu behalten. Das raubt Zeit für die wichtigen Aufgaben: das Gestalten und Produzieren.

Sind Bezahlschriftarten etwas für Sie?

Je größer Ihr Unternehmen wird, desto wichtiger werden Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Ihre Kreativen brauchen Zugang zu einer riesigen Bibliothek hochwertiger Schriften, die von kleinen digitalen Schnittstellen bis zur großflächigen Werbung in der U-Bahn gestochen scharf und sauber aussehen – mit gut ausgebauten Zeichensätzen, um alle regionalen Erweiterungen zu unterstützen, die Sie anstreben. Sie brauchen Fonts, die in jeder Situation reibungslos funktionieren, die vor der Veröffentlichung gründlich getestet wurden und hinter denen ein Team von Spezialisten steht, das Ihnen bei Problemen oder Änderungswünschen weiterhilft.

Beim Aufbau oder der Pflege Ihrer Markenidentität möchten Sie Ihren Kreativen so viel Freiheit wie möglich geben, damit sie die für ihre Projekte am besten geeigneten Fonts finden und verwenden können, ohne bei der Beschaffung oder Lizenzierung in Probleme zu geraten. Ihre Admins und Teamleiter brauchen eine zeitsparende Lösung, mit der sie Schriften an einem einzigen, zentralen Ort organisieren und den Zugriff kontrollieren können. Ein solches System eliminiert nahezu alle Risiken, die mit einer undurchsichtigen Lizenzierung einhergehen.

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