Sind futuristische Schriften wirklich zukunftstauglich?

Ich denke, uns Designern sollte klar sein, dass die Konzepte aus Science-Fiction-Filmen, die so fantasievoll und bahnbrechend aussehen, genauso wenig in der realen Welt funktionieren wie die Fahrzeuge in diesen Filmen.

Dave Addey.

Warum sehen Technik und Design in Science-Fiction-Filmen immer ganz anders aus, als das, was im realen Leben wirklich kommt? Darüber sprach der Designer und Forscher Dave Addey mit Terrance Weinzierl, Creative Type Director bei Monotype und Moderator, in der jüngst erschienenen Folge unseres Creative Characters-Podcasts.  

Als ein Beispiel führt Dave die transparenten Bildschirme in Minority Report (YouTube: Minority Report ‚s gesture-based user interface) und anderen Filmen an, die in der Vorstellung beeindruckend aussehen, in der Realität aber ein Alptraum für die Lesbarkeit wären. 

„Uns Designern sollte klar sein“, betont Addey, „dass die Konzepte aus Science-Fiction-Filmen, die so fantasievoll und bahnbrechend aussehen, genauso wenig in der realen Welt funktionieren wie die Fahrzeuge in diesen Filmen.“ 

Einige der Schriften, die Filmemacher einsetzen um die Zukunft zu beschreiben, funktionieren im echten Leben nicht wirklich gut. Terrance und Dave erinnern sich an einige Sci-Fi-Schriften der 1970er und 1980er Jahre, darunter Eurostile von Aldo Novarese (2008 als Eurostile Next wiederveröffentlicht), die nach der Kinopremiere in der Autowerbung eingesetzt wurden. Ihr Aussehen war vom Zeitgeist und der Ästhetik des Automobils geprägt, aber nicht von Kriterien wie Lesbarkeit oder Lesekomfort. 

Vor einigen Jahren arbeitete Monotype mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) zusammen, um herauszufinden, ob Eurostile Next eine gute Wahl für Displays in Fahrzeugen sei. Die Studie untersuchte die Auswirkungen von Typografie und Schriftdesign auf die Lesbarkeit des Armaturenbretts. Indem wir ein Fahrsimulationsexperiment in einem Auto mit Eye-Tracking-Technologie einrichteten, konnten wir die Auswirkungen der Schriftwahl auf die Betrachtungszeit und die Reaktionszeit über mehrere Variablen hinweg untersuchen. Wir testeten eine Reihe von intrinsischen und extrinsischen Designfaktoren wie Farbe, Positiv-Negativ-Darstellung, Schriftart und -größe sowie die typografischen Eigenschaften von zwei verschiedenen Schriftarten: Frutiger und Eurostile

Contributing Factors

Nicht wirklich straßentauglich.   

Mit den Tests konnten wir nachweisen, dass die Wahl einer Schrift mit bestimmten Merkmalen die Lesbarkeit eines Fahrzeug-HMI verbessern und dadurch die Betrachtungszeit der Fahrerinnen und Fahrer verringern kann. Frutiger, eine humanistische Schrift mit offenen Formen, großzügigen Zeichenabständen und unverwechselbaren Lettern, erwies sich als besser lesbar als die geometrische Grotesk Eurostile. 

 

Manchmal sieht die Zukunft anders aus als vorhergesagt. Doch in diesem Fall geht es darum, die beste Technologie im Auto zu verwenden, um sicher auf der Straße zu fahren. Falls Sie mehr über die zitierte Studie zur Lesbarkeit erfahren möchten, lesen Sie den Artikel „The Art of the Glance“ (Die Kunst des Augenblicks) im Print-Magazin vom Sommer 2017 oder laden Sie unser eBook „How to win the in-car technology race“ (Gewinnen Sie das Rennen um die In-Car-Technologie) herunter.