Warum Marken gerne serifenlose Fonts, auch als Sans-Serif bezeichnet, verwenden (und wie Sie ebenfalls eine solche Schrift auswählen können).

Sans
Wir erleben immer noch die Auswirkungen davon, wie Internet und Social Media nicht nur unsere Weltwirtschaft, sondern auch die Ideale und Einstellungen von Marken verändert haben.
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Als serifenlose Schriften zu Beginn des 20. Jahrhunderts Einzug in die Typografieszene erhielten, waren sie nicht nur ein kurzer Trend, sondern setzten sich langfristig durch. Hier erfahren Sie, wie Sie die richtige Schrift für Ihre Marke auswählen.

Eine kurze Geschichte

Im Jahr 1816 entwarf William Caslon IV die erste serifenlose Schriftart, Caslon, die jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht weithin akzeptiert oder genutzt wurde. Als jedoch zur Jahrhundertwende die Kunst der Moderne aufkam und das Designkonzept „Die Form folgt der Funktion“ immer beliebter wurde, explodierten serifenlose Schriften.

Die Moderne wurde von modernen Maschinen und Massenproduktion inspiriert und basiert auf Konzepten der Effizienz, Struktur und Einfachheit. Vor der Moderne war Grafikdesign aufwendig und kunstvoll. Durch die Moderne wurde der Fokus jedoch auf Einheitlichkeit, Geometrie und Leerraum verlagert. Klare, schlanke Linien ersetzten dekorative Elemente, die ausschließlich der Verzierung dienten, und Designer*innen nutzten plötzlich negativen Raum und elegante Schriftformen. So entstanden Designs, die praktisch und nützlich waren.

Während der Zeit der Moderne (1920er bis 1970er Jahre) wurden einige der beliebtesten und bekanntesten serifenlosen Schriften geschaffen: Futura, eine geometrische Schrift, Helvetica und Univers, serifenlose Neo-Grotesk-Schriften und Frutiger, eine humanistische Sans-Serif. (Weitere Informationen zu den Klassifizierungen von Schriftarten finden Sie hier.)

Frutiger

Es ist keine Überraschung, dass sich auch zahlreiche Branchen bereitwillig auf diesen neuen, eleganten Look stürzten. Serifenlose Schriften vermittelten Fortschritt und Zukunft, weshalb Luft- und Raumfahrt-, Technologie-, Medizin- und Biotech-Unternehmen sie bereits früh einführten. Und mit der zunehmenden Verbreitung von Technologieunternehmen dominieren sie auch weiterhin aus exakt diesem Grund.

In den ersten Tagen kleiner digitaler Bildschirme wurden serifenlose Schriften bevorzugt, um die Lesbarkeit zu verbessern. Die Auflösung war begrenzt und für die Lesbarkeit war es erforderlich, die Serifen wegzulassen, damit Zeichen deutlich dargestellt werden konnten. Die hochauflösenden Bildschirme von heute erfordern jedoch keine serifenlose Schrift mehr, damit Benutzer*innen sie klar lesen können. Dennoch bevorzugen die meisten Marken nach wie vor serifenlose Schriften als primären Displayfont.

Serifenlose Schriften heute

Moderne Marken haben weniger Zeit als je zuvor, um Verbindungen zu ihren Zielgruppen aufzubauen. Deshalb versuchen sie, ihre Botschaften so ansprechend, zugänglich und bekömmlich wie möglich zu gestalten. Wenn Menschen mit einer Flut an Marketingbotschaften bombardiert werden, suchen sie nach ansprechenden Inhalten und ignorieren dabei die Marken selbst – es sei denn, die Botschaft ist ihnen persönlich wichtig. Es ist offensichtlich, warum die zentralen, modernistischen Ideale von Einfachheit und Effizienz so beliebt und warum serifenlose Schriften allgegenwärtig sind.

Univers

Viele moderne Marken möchten auch als zukunftsorientiert, cool, aktuell und sogar jugendlich angesehen werden. Viele Menschen verbinden mit serifenlosen Schriften Modernität und Innovation, und da sich Zielgruppen, Medien und der Markt ständig weiterentwickeln, möchten Marken nicht zurückfallen.

„Wir erleben immer noch die Auswirkungen davon, wie Internet und Social Media nicht nur unsere Weltwirtschaft, sondern auch die Ideale und Einstellungen von Marken verändert haben“, so Monotype Senior Type Designer Terrance Weinzierl. Die Kultur hat sich zweifellos verändert und Marken überdenken, wer sie sind und wie sie sich präsentieren.

Um mit dieser Veränderung haben sich serifenlose Schriften zur praktischen Designoption entwickelt. Klare Linien und Leerräume funktionieren gut bei vielen Designstilen und -ansätzen, wodurch sie sich in vielen Medienformen – groß und klein, gedruckt, digital, statisch und animiert – flexibel anpassen lassen.

„Nehmen wir zum Beispiel Helvetica“, sagt Weinzierl. „[Der Font wird] von Target, Gap und American Apparel verwendet. Können Sie den Unterschied zwischen den Texten dieser Unternehmen erkennen? Vielleicht erkennen Sie sie am Copywriting. Oder anhand der Fotografie? Auf jeden Fall. Farbe? Natürlich. Wie eine Marke einen Font mit anderen Designelementen kombiniert, wirkt sich stark auf die Stimmung und Botschaft aus. Sehr unterschiedliche Marken können die gleiche Schriftart auf sehr unterschiedliche Weise verwenden und so zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen.“

Helvetica

Einige Beispiele für gute Markenevolutionen mit serifenlosen Schriften sind Remax und der Nobelpreis. Remax ersetzte seine geometrische Sans-Serif durch eine andere und die Verantwortlichen des Nobelpreises wählten einen neuen Font und neue Markenfarben, die den intellektuellen Anspruch, die Fassung und die Ernsthaftigkeit der Organisation unterstreichen.

Weinzierl fährt fort: „So funktionieren Schriften mit der gesamten Marke, bei allen Anwendungen und in unterschiedlichen Kontexten. Bei diesen Rebrandings mit serifenlosen Schriften geht es nicht immer darum, Trends hinterherzujagen, sondern sie signalisieren oft auch Veränderungen in der Organisation, der Führungsebene oder dem Produktdesign. Insbesondere bei Verbraucherprodukten verändern sich Fonts ständig und werden stets unter die Lupe genommen“, sagt er.

Auswahl einer serifenlosen Schrift

So beliebt serifenlose Fonts auch sind – sie eignen sich nicht für jede Marke. „Marken glauben vielleicht: ‚Wir wechseln zu dieser oder jener Schrift, weil alle es so machen. Also können wir sie für alles verwenden‘“, sagt Weinzierl. „Oder vielleicht: ‚Unsere Wettbewerber verwenden diesen cleanen modernen Look – das sollten wir auch machen‘.“

Stattdessen ist es unbedingt erforderlich, die Marke umfassend zu analysieren, bevor Sie einen serifenlosen – oder irgendeinen anderen – Font auswählen. Weinzierl rät Marken, sich genau über ihre Identität klar zu werden und eine serifenlose Schrift zu finden, die diese Identität unterstützt. Es gibt viele Optionen, mit denen Marken kommunizieren können, wer sie sind. Hierbei sollten sie jedoch der Versuchung widerstehen, sich einfach nur für den neuesten Trend zu entscheiden. Marken sollten außerdem individuelle Fonts in Betracht ziehen, da der Designprozess und die Besitzverhältnisse wichtiger sein können, als den richtigen Font zu finden und zu verwenden.

Da so viele neue und erfahrene Marken serifenlose Fonts implementieren, sollten Sie unbedingt definieren, was Ihre Marke von anderen unterscheidet. Denn wenn man einfach nur Trends folgt, wirkt die Marke oft verloren – nicht nur auf dem Markt, sondern sogar innerhalb ihrer eigenen Identität. Während serifenlose Schriften also einen kulturellen Wandel innerhalb einer Marke bedeuten können, müssen Unternehmen, die sich für diesen Schritt entscheiden, einen Font finden, der zu ihrer Persönlichkeit passt und das richtige Gleichgewicht zwischen Designtrends und Authentizität schafft.

Wie sieht die Zukunft der serifenlosen Schriften aus?

Müssen wir mit einer weiteren großen Designbewegung rechnen? Das ist schwer zu sagen. Doch das rasante Tempo der technologischen Entwicklung bedeutet, dass sich auch Sans-Serifs weiter verändern werden. Weinzierl geht davon aus, dass sich die folgenden Jahrzehnte zunehmend auf die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit serifenloser Schriften in Fontsoftware konzentrieren werden.

Er sagt abschließend: „Wir werden variable Fonts mit optischen Größen erleben – ein Font, der wirklich überall dort funktioniert, wo Marken ihn brauchen. Vielleicht werden wir auch erleben, dass Fonts auf den Betrachtungsabstand in VR reagieren oder dass Animationen Bewegung und Beschleunigung widerspiegeln – oder Fonts, die sich automatisch an die Verwendung in verschiedenen Größen anpassen.“