Good Type – Teil 4: Eine gute Schrift lernt von alleine fliegen

Good Type ist eine 10-teilige Videoserie mit Erläuterungen, die eine einfache Frage beantworten möchte: Was macht gute Schriften … gut? Die Reihe bietet tiefere Einblicke ins Schriftdesign um Kreativen dabei zu helfen, die passende Schrift für ein aktuelles Projekt zu wählen. Lesen Sie auch Teil 1 und Teil 2 und Teil 3, falls noch nicht geschehen.

Schriften operieren an einem spannenden Schnittpunkt, irgendwo zwischen Nutzen und Schönheit. Sie gehören zu den Werkzeugen der Designer, gehen aber in ihrer Wirkung weit über den praktischen Nutzen hinaus: Sie haben die Kraft, eine überzeugende Botschaft darzubieten.

Dies gilt insbesondere für Displayschriften, die sich – anders als Textschriften – die Freiheit nehmen, an die Grenzen der Lesbarkeit zu stoßen, um Aufmerksamkeit zu erregen oder den Benutzer zu faszinieren. Ihre Verknüpfung mit einem Modestil oder einem Werkzeug hat vor allem dann eine starke Wirkung, wenn sie Betrachter in ein bestimmtes Jahrzehnt versetzen oder starke Emotion und Erinnerungen wecken.

Displayschriften nehmen sich – anders als Textschriften – die Freiheit, an die Grenzen der Lesbarkeit zu stoßen, um Aufmerksamkeit zu erregen oder den Benutzer zu faszinieren.

Zu diesem Spiel gehört, dass Displayschriften gerne mit Verzerrungen und Texturen auftreten. Fließtext dagegen muss unter allen Bedingungen funktionieren, wobei die Lesbarkeit immer an erster Stelle steht. Doch in Überschriften und auf Postern gibt es mehr Freiheit zum Experimentieren und Spielen – sowohl mit der Schrift selbst, als mit den Erwartungen und der Lesart ihrer Betrachter.

»Dieses Wechselspiel scheint eine magische Kraft beim Zusammenpuzzeln von Botschaften auszustrahlen – selbst wenn es an die Grenzen der Lesbarkeit geht, um ein Statement zu inszenieren.« sagt Monotypes Director of Product Design Jamie Neely. Seien es Buchstaben, die kunstvoll in Konturen verhüllt sind, Schriften denen unversehens Teilen fehlen, oder Alphabete aus unkonventionellen Formen: den Subtext zu dechiffrieren ist Teil eines Belohnungsystems.

Bei aller Spielfreude im Display-Bereich gibt es immer auch praktische Erwägungen. Condensed- oder Compressed-Schriften sind vor allem im Editorial und Werbedesign eine gute Wahl, wo der Gestaltungsraum knapp bemessen ist. Aber die Suche nach der richtigen Tonalität kann eine echte Herausforderung sein. In der Fläche zu denken ist bei der Wahl einer Schrift unerlässlich, die sowohl horizontal als auch vertikal inszeniert wird. Denken wir nur daran, wie sich Ober- und Unterlängen ins Gehege kommen können. Deshalb gehört das Testen mehrzeiliger Headlines unbedingt zu den Vorbereitungen. Manche Displayschriften weisen von Hause aus kürzere Ober- und Unterlängen auf, so dass sich kompakte Mehrzeiler setzen lassen. Ein weiterer Test besteht darin, Wörter in Großbuchstaben zu setzen – einschließlich Akzentbuchstaben –, um die maximale Zeichenhöhe bei der Einstellung des idealen Zeilenabstands zu berücksichtigen.

»Dieses Wechselspiel scheint eine magische Kraft beim Zusammenpuzzeln von Botschaften auszustrahlen – selbst wenn es an die Grenzen der Lesbarkeit geht, um ein Statement zu inszenieren.« sagt Neely

Manche Displayschriften, vor allem jene, die mit der Lesbarkeit spielen, erfordern mehr Design- und Leseenergie als andere. Darum ist es wichtig, die Grenzen zwischen einem Schriftbild zu verstehen, das den Leser etwas härter arbeiten lässt, und solchen, die unlesbar sind. Achten Sie auf die Textmenge, in welcher Größe sie angezeigt wird und in welcher Umgebung.

Im Idealfall wird die Aufmerksamkeit, mit der man sich einer Displayschrift widmet, mehr als belohnt. Das richtige Design kann eine Botschaft verstärken oder einen Impuls auslösen, der die Leser unmittelbar berührt. Damit dies passiert, ist man auf nicht anderes angewiesen als Schrift, aufs Wirkungsvollste konzentriert.

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unseren kommenden Good Type Beiträgen. Das Video wurde live auf der Adobe Max 2017 aufgenommen.