Sir Quentin Blakes Handschrift als individueller Script-Font

Gemeinsam mit dem berühmten Illustrator Sir Quentin Blake und seinem Team entwickelte Monotype aus der persönlichen Handschrift des Zeichners einen individuellen Skript-Font.

Hintergrund

Mit der Arbeit von Sir Quentin Blake verbindet man wohl am ehesten pure Freude. Als einer der weltweit bedeutendsten und beliebtesten Illustratoren findet man sein Werk etwa in den gemeinsamen Arbeiten mit Roald Dahl, in seinen eigenen preisgekrönten Büchern oder an den Wänden von Ausstellungssälen. Und soviel ist sicher: Die von ihm entworfenen Figuren katapultieren sich regelmäßig von den Buchseiten direkt ins Herz unzähliger Kinder und Erwachsener − überall auf der Welt.

Blakes verspielter Stil kommt auch in seiner Handschrift zum Ausdruck. Unverwechselbare Formen reiht er in unregelmäßiger Weise aneinander − seine Schrift ist einfach unverkennbar. Und mittlerweile genauso gefragt wie seine Illustrationen, ob für Buchtitel, Publikationen oder Werbezwecke. Quentin Blake engagiert sich auch in vielen sozialen Projekten, die mit der Verwendung seiner Handschrift auf seine Unterstützung hinweisen. Kein Zweifel: Er ist ein vielbeschäftigter Mann.

Quentins Handschrift ist jedenfalls alles andere als regelmäßig, aber sie ist auch kein reines Zufallsprodukt. Sein eigener Stil ist darin unverkennbar wiederzufinden. Es ist genauso wie mit den Wolken: Auch wenn jede anders aussieht und ihre eigene Form hat, weiß man doch, dass das am Himmel eine Wolke ist.

Vor ein paar Jahren war für solche Veröffentlichungen bereits ein Font nach seiner Handschrift entwickelt worden, doch dieser wird den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Und so kam Monotype ins Spiel. Unsere Aufgabe bestand darin, mit dieser Schrift zwei Kriterien zu erfüllen: Einerseits sollte sie Blake die Möglichkeit geben, der großen Nachfrage mit weniger Zeitaufwand nachzukommen, und andererseits musste sie den heutigen höheren Anforderungen entsprechen.

Die Herausforderung

Jede Handschrift ist einzigartig. Wenn Sie sich Ihre eigene einmal genauer anschauen, werden Sie sofort die individuellen Eigenheiten erkennen: vielleicht an dem besonderen Bogen der Neun, an dem scharfkantigen t oder an der Schleife beim g. Die neue Schriftart für Quentin Blake musste also genau diese persönlichen Feinheiten widerspiegeln − die unterschiedlichen Größen von Kleinbuchstaben, seine unvorhersehbaren Strichstärken, die übertriebenen Querstriche und Beine. Gleichzeitig sollte die Schrift dynamisch genug sein, um den gleichen Rhythmus und Abständen zu folgen wie seine originale Handschrift auf dem Papier. Ein weiterer wichtiger Punkt, der Blake in Zukunft Zeit sparen sollte: Die Schrift musste in unterschiedlichen Sprachen anwendbar sein. „Anfragen für andere Sprachen sind nicht ganz einfach, wenn sie für ihn ungewohnt sind“, erklärt Blakes Archivarin Liz Williams. „Er muss dann über jeden Buchstaben nachdenken, damit er ihn richtig schreibt. Das kann den natürlichen Schreibfluss stören.“

Das Ziel war so einfach wie herausfordernd: Blake brauchte einen Font, der seine einzigartige Handschrift authentisch und natürlich imitierte. Und zwar nicht nur die Form der Buchstaben, sondern auch die Art und Weise, wie er sie setzte.

Die Lösung

Auf Basis von Blakes originalen Handschriftproben begann Monotype-Fontdesigner Toshi Omagari einzelne Buchstaben, Zahlen und Symbole auszuwählen und nachzuzeichnen. Doch schnell war klar, dass dieser Ansatz nicht die Dynamik der originalen Handschrift widerspiegelte. Toshi forderte daraufhin weitere Schriftproben von Blake an, dieses Mal ganze Sätze und Pangramme.

Daraus wählte er für jedes Zeichen vier verschiedene Schreibvarianten aus − gerade so viele, dass der Text unregelmäßig genug und somit authentisch erschien und gleichzeitig das Zeichenset überschaubar blieb. Ausschlaggebend war vor allem, das richtige Gleichgewicht zwischen Regelmäßigkeiten und Unterschieden zu finden. „Ohne Unregelmäßigkeiten sehen Handschriften nicht natürlich aus. Gibt es jedoch zu viele Varianzen, dann ist der ganze Prozess möglicherweise nicht mehr zu bewältigen“, so Toshi. „Quentins Handschrift ist jedenfalls alles andere als regelmäßig, aber sie ist auch kein reines Zufallsprodukt. Sein eigener Stil ist darin unverkennbar wiederzufinden. Es ist genauso wie mit den Wolken: Auch wenn jede anders aussieht und ihre eigene Form hat, weiß man doch, dass das am Himmel eine Wolke ist.“

Bei der Auswahl der alternativen Zeichen kam es auf die Größe, Ähnlichkeit und Deutlichkeit an, sie durften also nicht zu groß oder klein sein, einander nicht zu ähnlich und die Tinte nicht zu verschmiert. Einige Zeichen, insbesondere anderssprachige Buchstaben und ungewöhnliche, nur selten verwendete Symbole, konnten anhand von Blakes Schriftproben nicht erfasst werden und wurden vom Designer zeichnerisch ergänzt. Das Schriftbild musste natürlich aussehen: „Nichts sollte zu einzigartig wirken. Das galt vor allem für die Vokale, die ja besonders häufig vorkommen. Leser entdecken die auffälligen Zeichen sofort und bei vielen Wiederholungen ist ihnen schnell klar, dass es sich um einen Font handelt“, erklärt Toshi. „Alles sollte zufällig, natürlich aussehen. Nichts durfte verraten, dass dies nicht Blakes originale Handschrift ist.“

Das Gleiche galt beim Kerning. Hier lag die Herausforderung für Toshi darin, die Abstände zwischen Buchstaben und Wörtern nicht zu einheitlich zu gestalten, damit die Schrift ihre typischen Unregelmäßigkeiten beibehielt. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass bei vier Varianten pro Zeichen nicht nur der Abstand jeder Glyphe zu allen anderen innerhalb des gleichen Zeichensets ausgeglichen werden musste, sondern auch zu allen Glyphen der anderen Sets. Insgesamt wurden die Abstände in fast 25 Zusammenstellungen angepasst. Beim Ausgleich der Ligaturen war ebenfalls Detailarbeit gefragt. So mussten schwieriger einzufügende Buchstaben mit langen Längsbalken wie das t so angepasst werden, dass eine schöne Verbindung zum vor- oder nachstehenden Zeichen entstand.

Die fertige Schriftart sieht nicht nur exakt so aus wie Sir Quentin Blakes Handschrift, sie verhält sich auch genauso. Beim Eingeben der Buchstaben werden die vier unterschiedlichen Zeichenvarianten in unregelmäßiger Abfolge, wie zufällig, gesetzt. Für den Einsatz in Printpublikationen verwendet die Schrift einen groben Filter, der ihr das authentische Aussehen einer Handschrift verleiht. Die Web-Version hat dagegen klarere Konturen und ein kleineres Zeichenset, um die Dateigröße möglichst gering zu halten. Mit der Ergänzung diakritischer Zeichen für lateinische Alphabete kann die Schrift vielseitig eingesetzt werden.

Das Ergebnis: Die Schriftart wird heutigen und zukünftigen Anforderungen und Ideen in vollem Maße gerecht, davon ist Blakes Team überzeugt. In der App „Twit or Miss“ findet die Schrift bereits Verwendung, ebenso in der Fernsehsendung „Britain‘s Favourite Children‘s Books“. Als nächstes wird sie auf einer neuen Tassenkollektion sowie auf Quentin Blakes Website zu sehen sein. Langfristig hat die Schrift in den Augen des Teams Potenzial für den Einsatz auf Bühne und Leinwand, in Ausstellungstiteln, in Beschriftungen sowie im zeichnerisch-grafischem Umfeld. Blakes Handschrift wird uns also noch viele Jahre Freude bereiten.

Die fertige Schriftart sieht nicht nur exakt so aus wie Sir Quentin Blakes Handschrift, sie verhält sich auch genauso.

Quentin Blake selbst verschafft die Schrift jedenfalls mehr Freiraum, worüber er sehr glücklich ist: „Es war beeindruckend zu sehen, wie das Team von Monotype meine Handschrift in verschiedene Varianten übertragen hat, wodurch der Schrift ihr unverwechselbarer Stil verliehen wurde. Gleichzeitig ist sie in allen denkbaren Situationen hervorragend einsetzbar.“

Wenn Sie eine Nutzungslizenz für den individuellen Font von Quentin Blake erwerben möchten, wenden Sie sich bitte an Mildred Yuan von United Agents. Über alle Anfragen rund um das Thema individuelle Schriftart freut sich das Team von Monotype − nehmen Sie gerne direkten Kontakt mit uns auf.