Font für die Welt: so entstand das Noto-Schriftsystem für Google

Eine Schrift – fünf Jahre in der Herstellung: Googles Noto-Font erstreckt sich über mehr als 100 Schriftsysteme, 800 Sprachen und Hunderttausende von Zeichen. Als Zusammenarbeit zwischen Google und Monotypie ermöglicht Noto endlich eine lückenlose Form der Kommunikation für Milliarden von Menschen, die aus allen Ländern Welt auf digitale Inhalte zugreifen.

Das Ziel: „Nie wieder Tofu”

Google setzte Monotype ein einfaches Ziel: „Nie wieder Tofu.” Mit Tofu werden die leeren Kästchen bezeichnet, die angezeigt werden, wenn ein System- oder Web-Font für die Anzeige eines bestimmten Zeichens fehlt. Zur Erfüllung der Google-Anforderung, entwickelte Monotype ein Schriftsystem, das mehr als 800 Sprachen aus dem vom Unicode Consortium festgelegten Standard abdecken würde.

Einfaches Ziel, Mammut-Aufwand. Einerseits ein harmonisches Gesamtbild, andererseits die Entwicklung einer noch nie da gewesenen Anzahl von Skripten, darunter mehrere seltene Schreibsysteme, die noch nie zuvor digitalisiert wurden. „Es war ein phänomenales und gleichzeitig entmutigendes Projekt”, berichtet Googles Experte für Internationalisierung, Bob Jung, „Rückblickend bin ich überrascht, wie ehrgeizig wir waren.“

„Unser Ziel für Noto war, Schriften für unsere Geräte zu erstellen, darüber hinaus sind wir auch sehr daran interessiert, Informationen am Leben zu erhalten“, fügt er hinzu, „wenn es um einige der weniger verbreiteten Sprachen geht, oder auch um rein akademische oder tote Sprachen, glauben wir, dass es wirklich wichtig ist, sie zu bewahren.“

Die Arbeit mit einem Open-Source Design-Ansatz, beteiligte weltweit Designer und Linguisten. Jeder Zeichensatz erhielt seine endgültige Form durch das eng-abgestimmte Zusammenspiel der Teams. Fünf Jahren flossen in die Entwicklung der aktuellen Veröffentlichung von Noto. Eine intensive wie koordinierte Forschungsanstrengung, eng begleitet von Kulturexperten, die jeden Zeichensatz bis ins Detail begutachteten und mit dem Kreis der Nutzer der jeweiligen Schriftsprache abstimmten.

Einige der Zeichen erscheinen nur auf Steinen. Wenn wir sie nicht digitalisieren, werden diese Steine irgendwann zu Sand und wir werden die Zeichnungen und Schriftzeichen für immer verlieren.

Forschungsauftrag: Kulturschutz

Um Adlam – einem Schriftsystem für die afrikanische Fulani-Sprache – eine digitale Form zu verleihen, arbeitete Monotype direkt mit den Entwerfern der Schrift zusammen. Der direkte Zugang zu den Erfindern dieses Schriftsystems ermöglichte es den Designern, stilistische Entscheidungen und Merkmale zu berücksichtigen, die die ursprünglichen Absichten der Schöpfer widerspiegeln und der Fulani-sprachigen Gemeinschaft die erste Möglichkeit bieten würden, ihre Skript-Schrift digital zu einzusetzen.

Die die armenische Gemeinschaft wurde direkt in den Gestaltungs-Prozess der Noto-Armenian einbezogen. So konnten traditionelle und zeitgenössische Elemente in die Entwicklung einfließen. Für Noto-Tibetan boten tibetische Mönche ihr Expertenwissen. Die senkrecht gestapelten Skript-Zeichen stellten eine einzigartige Herausforderung dar. Schließlich entstand der Font mit Hilfe einer Studie des Schriftsystems des Monotype-Designers Toshi Omagari, das vom buddhistischen Gelehrten Shojiro Nomura unterstützt wurde, sowie der eigenen, konstanten Manuskriptstudien der Mönche.

Noto bot auch eine Gelegenheit, eine digitale Version von Urdu Nastaliq zum Leben zu erwecken. Gleichzeitig erleichterte dies den Zugang zu den 100 Millionen Menschen, die es sprechen und schreiben. Auch Ogham – ein Alphabet aus dem 4. Jahrhundert, das hauptsächlich auf Denkmälern und in Manuskripten zu finden ist wurde neues Leben eingehaucht. Monotype Designer Steve Matteson grub reichlich Bilder der mittelalterlichen Skript-Schrift aus und entwickelte Noto-Ogham. „Einige der Zeichen erscheinen nur auf Steinen. Wenn wir sie nicht digitalisieren, werden diese Steine irgendwann zu Sand und wir werden die Zeichnungen und Schriftzeichen für immer verlieren.“, erklärt Noto-Produktmanager Xiangye Xiao.

Das Ergebnis: eine digitale Sprache für jeden

Neben der kulturellen Rolle, die dem Schriftsystem zukommt, ist Noto ein digitales Arbeitspferd, das Text in Android und Chrome-Geräten unterstützt und das gewaltige Anzahl von Stilen mit bis zu acht Strichstärken umfasst. Zusätzlich unterstützt Noto Symbole, Emojis und Notenschrift.

Noto kann von der Google Noto Fonts website geladen werden. Dort entsteht ein ständig wachsendes Einsatzspektrum. „Wir erhalten täglich E-Mails mit Anfragen: Können wir diese Schrift in unserem Automatisierungssystem verwenden? Können wir sie auf dem Monitor auf einem Flug benutzen?“ führt Xiao aus.

Und die Geschichte endet nicht mit der aktuellen Veröffentlichung. Als Teil einer breit angelegten Initiative, die Kommunikation der Kulturen zu erleichtern und mit dem ehrgeizigen Ziel, endlich eine Schriftart zu entwickeln, die alle Sprachen unterstützt, wird Noto im Einklang mit dem Unicode-Konsortium weiter entwickelt werden.

„Ich denke, dieses Projekt hat für die Zukunft der digitalen Kommunikation eine nachhaltige Bedeutung“, sagt Monotype-Designer Steve Matteson. „Es ist schwer für mich auszumachen, wie viele Menschen Noto am Ende einsetzen werden, geschweige denn in die Lage versetzt werden, in mehreren Sprachen neben ihrer Muttersprache zu kommunizieren, oder durch die Möglichkeit zu übersetzen ihre Kultur bewahren können.“

Unser Dank gilt vielen

Monotype möchte dem Team danken, den Designern, Forschern, Skriptspezialisten, Hintern und Finishern, Qualitätssicherern und Tools-Entwicklern, die zum Google Noto-Projekt beigetragen haben. Wir möchten auch den unzähligen Rezensenten und Muttersprachlern danken, die Meinungen und Einblicke in die Google Noto-Skripte geliefert haben.

Monotype Mitarbeiter:

Vickie Allison
Maria Glenda Bellarosa
Jelle Bosma
Priscilla Brugman
Nadine Chahine
Christopher Chapman
Carl Crossgrove
Karen Dupre
Jim Ford
Deborah Gonet
Josh Hadley
Mary Hanson
Linda Hintz
Robin Hui
Adel Hunter
Linda Jenkins
Cheung Kin Keung
Micah Stupak
Karl Leuthold
Kevin Lew
Alistair Lloyd
Kamal Mansour
Steve Matteson
Guy Mayger
Charles Nix
Toshi Omagari
Dave Opstad
Tom Rickner
George Ryan
Devin So
Chuong Ton
Bob Tremallo
Juan Villanueva
Susan Waksmonski
Jim Wasco
Terrance Weinzierl
Steve Zafarana
Sue Zafarana

Partner und Freunde:

Abdoulaye & Ibrahima Barry
Jo De Baerdemaeker
Cadson Demak Ltd
Diane Collier
Fontef Type Foundry
Kalapi Gajjar-Bordawekar
Gajjar & Vilhjamsson Private Limited
Yanone Gerner
Kimya Gandhi
Patrick Giasson
Giasson Ltd.
Glyphs
John Hudson
Indian Type Foundry
Yanek Iontef
Kigali Designs
Letterjuice Ltd.
Ben Mitchell
James Montalbano
Elena Papassissa
Rainer Erich Scheichelbauer
Fiona Ross
Zachary Scheuren
Georg Seifert
Vaibhav Singh
Terminal Design
Tiro Typeworks Ltd.
Anuthin Wongsunkakon
Pascal Zoghbi