Variable Fonts: Die großen Neuigkeiten von den TYPO Labs

TYPO Labs 2017, die dreitägige Konferenz mit Fokus auf dem aktuellen und künftigen Stand der Font-Technologie, fanden Anfang des Monats in Berlin statt. In diesem Jahr drehte sich alles um variable Schriften (bzw. „Variable Fonts“) und eine wichtige Ankündigung von Google.

Eines der größten Highlights während der TYPO Labs 2017 war die Bekanntgabe Dominik Röttsches von Google, dass der Chrome-Browser in der erweiterten Version Google Chrome Canary nun Variable Fonts unterstützen wird. Sie können diese experimentelle Version von Chrome noch heute herunterladen und neben Ihrer regulären Chrome-Version ausführen. Nach einer Testphase wird ein Großteil der Funktionen dieser Version, wie beispielsweise die Unterstützung variabler Schriften, in ein offizielles Release aufgenommen.


Installation von Chrome Canary

Führen Sie folgende Schritte aus, um die Unterstützung für Variable Font Rendering in Chrome Canary zu aktivieren:

Rufen Sie die Einstellungsseite für Flags unter chrome://flags auf.

Scrollen Sie nach unten zum Bereich „Experimental Web Platform Features“, und aktivieren Sie diese Funktion.

Rufen Sie die Website Axis Praxis auf und spielen Sie ein wenig mit den Variable Fonts. Dort finden Sie einige öffentliche Demos, darunter auch mehrere von Monotype.


Was bedeutet die Google-Chrome-Unterstützung für die Zukunft von Variable Fonts?

Mit dieser Ankündigung von Google rücken Variable Fonts der Realität noch ein Stück näher. Da nun Browser wie Chrome Canary das Variable Font Rendering unterstützen und CSS4 Unterstützung für die Festlegung von Font-Variationen bieten wird, werden wir nicht mehr lange auf Variable Fonts im Web warten müssen.

Vor der Ankündigung von Google unterstützte der Nightly Build von Webkit (nur Mac) als einziger Browser Variable Fonts. Die Aufregung um die Chrome-Canary-Unterstützung ist darauf zurückzuführen, dass sie Variable-Fonts-Funktionen für jede Chrome-basierte Plattform auf den Weg bringt.

JavaScript ermöglicht die Nutzung von variablen Schriften für responsives Design und typografisch aufregende Inhalte. Unter anderem machten die TYPO Labs 2017 deutlich, dass Schriften und Apps künftig zunehmend Hand in Hand gehen werden. Variable Fonts eröffnen Apps schier endlose Möglichkeiten in Bezug auf die Schaffung von Text-Layouts, die bisher undenkbar waren. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Browser, der Variable Font und JavaScript miteinander kompatibel sind. Dieser Fall ist nun eingetreten bzw. wird es in Kürze sein.

Fortschrittsbericht von den TYPO Labs 2017

Variable Fonts wurden im Rahmen der ATypI-Konferenz im September 2016 eingeführt und sind nun Bestandteil der OpenType-1.8-Spezifikation. Teilnehmer der TYPO LABS 2017 konnten hautnah erleben, wie weit der Fortschritt in Bezug auf Variable Fonts seit dieser Ankündigung vorangeschritten ist, und sich den derzeitigen Stand demonstrieren lassen.


Dan Rhatigan, Senior Manager von Adobe Type, stellte einen Fortschrittsbericht zu Variable Fonts vor, der das Publikum dazu ermutigen sollte, nicht nur allein die Technologie zu sehen, sondern sich auch mit neuen Möglichkeiten ihrer Nutzung zu befassen. Jean-Baptiste Levée von Production Type wies darauf hin, dass die Technologie zwar großartig sei, jedoch vor allem die Art ihrer Verwendung und ihre Auswirkungen auf Design maßgeblich seien.

Es bestand ein allgemeiner Konsens darüber, dass die ersten und aufregendsten Anwendungen für Variable Fonts im Web zu finden sein werden. Akiem Helmling und Bas Jacobs von Underware hielten einen unterhaltsamen Vortrag über die Möglichkeiten, die Variable Fonts eröffnen. Betrachtet man Schrift-Designer als Astronauten im Universum der Typografie, wären OpenType Variable Fonts wohl ein neues Raumschiff, das die Industrie hergestellt und freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. 

John Hudson von Tiro Typeworks demonstrierte, wie Variable Fonts verwendet werden können, um in naher Zukunft bestimmte Aspekte im Zusammenhang mit mikrotypografischem Layout zu verbessern. Allerdings bestand weniger Einigkeit im Hinblick auf diesbezügliche Geschäftspläne, die im Rahmen der Podiumsdiskussion zum Thema „Business opportunities and challenges in bringing variable OpenType fonts to the market“ (Geschäftsmöglichkeiten und Herausforderungen bei der Einführung von OpenType Variable Fonts auf dem Markt) vorgestellt wurden.

Während der TYPO Labs 2017 wurden die bedeutenden Fortschritte in Bezug auf Variable Fonts präsentiert. Peter Constable und Rob McKaughan von Microsoft erläuterten die Pläne des Unternehmens, Unterstützung für variable Schriften zu Windows-Produkten hinzuzufügen und variable Schriften auf eine auf das menschliche Sehsystem abgestimmte Weise zu nutzen, um die Lesbarkeit zu optimieren.

Bob Taylor und Tom Rickner von Monotype hingegen beschrieben neue Tools und Verfahren zur Entwicklung variabler Schriften auf der Grundlage bereits vorhandener Schriftarten. Der Erfolg dieser Verfahren wird sich maßgeblich auf die Kosten und letztlich auf die Verfügbarkeit einer großen Anzahl von Variable Fonts auswirken.

 

Laurence Penney zeigte eine Demo seiner Website Axis Praxis, wo eine Schrift per Drag-and-Drop-Funktion abgelegt und beobachtet werden kann, wie sie sich verhält. Nach dieser großen Ankündigung von Google wird es nun viel einfacher sein, auf der Website Axis Praxis mit variablen Schriften zu experimentieren. 

Wir freuen uns bereits jetzt auf die TYPO Labs 2018, bei denen wir die neuen und innovativen Anwendungen kennenlernen werden, die Variable Fonts verwenden. In der Zwischenzeit werden wir über wichtige Entwicklungen berichten. Folgen Sie @Monotype auf Twitter, um stets auf dem Laufenden zu bleiben.

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