Type Mixtape: Paula Scher

Paula Scher hat in den letzten vier Jahrzehnten Regeln im Grafikdesign aufgestellt – und gebrochen. Sie hat mit einigen der einflussreichsten Unternehmen der Welt zusammengearbeitet, darunter Windows, Bloomberg und Coca Cola, und gleichzeitig eine bedeutende Rolle in der Musikbranche gespielt. Für Monotypes Recorder-Magazin blickt sie auf typografische Lieblingsprojekte zurück.

Scher ist bekannt für ihren illustrativen Gebrauch von Schriften. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen in der Designbranche erhalten, unterrichtete unzählige wissbegierige Studenten an einigen der renommiertesten Designschulen der Welt und war der erste weibliche Principal bei Pentagram, wo sie seit 1991 arbeitet. 

Der visuellen Kommunikation von börsennotierten Unternehmen wie Citibank, Coca Cola und Bausch + Lomb verlieh Sher das gewisse Etwas. Bekannt wurde sie jedoch vor allem für ihre Arbeit in der Kunstbranche. Ihre Kunden im kulturellen Bereich lesen sich wie das Who’s who der amerikanischen Theater- und Kunstszene. Dazu gehören u. a. das Museum of Modern Art, das New York Ballet, die Metropolitan Opera und die New York Philharmonic.

„Ich mag diese einfache Konstruktion aus Rechtecken. Die Schrift wurde für dieses Projekt entwickelt.“

Einige Designer haben limitierte Poster für das 50-jährige Jubiläum des Royal National Theatre in London entworfen – unter anderem auch David Carson und Graphic Thought Facility. Das Blockdesign von Scher spielt vielleicht auf die Architektur des Gebäudes an.

Um Paula Scher für ihre vielen Leistungen zu ehren, haben wir sie dazu eingeladen, ein Type Mixtape zu erstellen, das ihren Beitrag zum Design feiert, indem es einen Rückblick auf ihre bisherigen Lieblingsprojekte wirft.

Zwischen 1979 und 1984 war Scher freiberuflich tätig. In dieser Zeit arbeitete sie viel an alternativem typografischem Vokabular, bevor sie zusammen mit ihrem alten Schulfreund Terry Koppel die Firma Koppel & Scher gründete.

 

„Das Projekt für Bloomberg ist meine Lieblingsanwendung von Schrift im Raum und mit verschiedenen Materialien (Avenir war die Hausschrift von Bloomberg).“

Scher hat die Ausschilderung für den Hauptsitz von Bloomberg in New York entworfen und dabei die neue Schriftart Bloomberg entwickelt, die die Buchstaben von Avenir mit den Ziffern von Avant Garde verbindet. Die Stockwerke wurden mit farbcodierten Zahlen gekennzeichnet und riesige Ticker mit Nachrichten und Daten zeigten Informationen aus den Live-Übertragungen des Unternehmens an.

Schers Arbeiten bei Koppel & Scher, zu denen auch das herausragende Swatch-Poster gehört, hat ihre Bedeutung in der Szene unterstrichen und ihr Talent bekräftigt. Als Koppel die Partnerschaft im Jahr 1991 auflöste, wurde Paula Scher Partnerin im New Yorker Büro von Pentagram, einer der weltweit renommiertesten Designagenturen.

„Diese Version des Posters vermittelt am besten den Geist des Musicals und ist sinnbildlich für meine Arbeit für das Public Theater in den 1990er-Jahren. Es kommt American Wood Type von Morgan Foundry zum Einsatz.“

Die Poster Bring In Da Noise, Bring In Da Funk sind Teil der Sammlung des MoMA und wurden 1995 für eine ursprüngliche Off-Broadway-Produktion entworfen. Sie gehören zu den bekanntesten Arbeiten der Designerin, besonders wegen der „lauten“ Typografie.

„Meine Lieblingsschilder für Theater, bei denen eine speziell für das Quad Cinema entwickelte Schrift verwendet wird.“

Zur Feier der Neueröffnung des New Yorker Quad Cinema schuf Scher ein in den Worten von AdWeek „nüchternes, modernes Logo“ sowie Schilder, Grafiken und Installationen, die alle von der visuellen Sprache des Kinos beeinflusst sind.

„Das Poster von 2016 für das Public Theater setzt die Serie von Designs auf Grundlage von Wood Type fort (Knockout).“

Scher entwarf das Poster 2016 als Teil von New Yorks Shakespeare in the Park-Vorführungen, die vom Public Theater organisiert werden. Die Designerin entwirft seit 1994 Poster für die Veranstaltungsreihe.

„Rockaway Wide wurde für die Strandpromenade entwickelt und verfügt über die größte Pixelgröße in der Geschichte der Schrift.“

Für die Strände New Yorks entwickelte Scher ein Hybridsystem für prominente Orte und Schilder sowie riesige Promenadengrafiken mit über 15 Meter großen Buchstaben, die den Schriftzug „Rockaway“ bilden und nur vom Flugzeug aus vollständig gelesen werden können.

Das Rebranding von The New School aus dem Jahr 2015 durch Pentagram fußte auf einer algorithmisch erzeugten Schrift, die laut Fast Co Design eine „riesige Zahl von möglichen Kombinationen“ bietet.

Scher setzte 2001 riesige Schriftzüge für die Außenwände des New Jersey Performing Arts Center ein.

„Der beste Einsatz von Typografie auf Lüftungsrohren. Die Schrift ist Agency Gothic.“

Schers typografisches Poster, das Teil einer Ausstellung zum 100. Todestag des französischen Künstlers war, bietet eine neue Interpretation der bekannten Cancan-Tänzerin Jane Avril von Toulouse-Lautrec.

„Die Schrift Avril wurde aus der Miehle entwickelt.“

Auf der TYPO-Konferenz 2012 in London erregte Paula Schers Talk über das Thema Breakthroughs, Successes and Failures großes Aufsehen. Zum Video (E) …

Mehr über die fünfte Ausgabe von The Recorder mit Paula Schers Mixtape. Zum Shop (E) …