Auslaufmodell Website?

Die Webseite einer Marke war immer der wichtigste Bestandteil ihres Online-Auftritts. In den letzten Jahren hat sich jedoch einiges getan. Kunden sind immer mehr mobil im Internet unterwegs und interagieren heute auf zunehmend unterschiedlichen Wegen mit Marken. Mit dieser Aufsplittung der Onlinewelt stellt sich eine zentrale Frage: Brauchen Marken überhaupt noch eine Webseite?

Die Frage ist nicht neu. Jeder Paradigmenwechsel entfacht Diskussionen darüber, wie die neue Entwicklung – sei es das mobile Internet, Social Media oder Apps – das Ende der Ära Webseite einläuten könnte. Bisher lautete die Antwort: Webseiten sind wichtig, sie werden nicht einfach verschwinden, und Unternehmen müssen auch weiterhin auf sie setzen. Der Grundsatz gilt bis heute und wird sich kurzfristig wohl nicht ändern.

Die Realität ist jedoch ein wenig komplizierter.

Das Ende? Oder eher die zweite Geige?

Klar ist: Auch wenn es Webseiten weiterhin geben wird, machen sie für Marken nicht mehr den Hauptbestandteil ihres Online-Auftritts aus.

Noch vor zehn Jahren stand die Webseite als Onlineplattform an erster Stelle. Dann kam das mobile Internet und der Rest ist Geschichte. Laut ComScore gilt der Computer heute nur noch als „sekundärer“ Touchpoint für das Surfen im Netz – digitales Wachstum basiert allein auf mobiler Nutzung. Diese hat neben der zuvor genannten explosionsartigen Ausbreitung von Apps, Social-Media-Kanälen und Nachrichtenplattformen derart rasant zugenommen, dass Webseiten und Online-Anzeigen nicht umhinkommen, auch in einem responsiven Design für unterschiedliche Bildschirmgrößen gestaltet zu sein.

Statt auf einen einzigen vorrangigen Touchpoint – die Webseite – zu setzen, müssen Marken heute eine ganze Bandbreite an Onlinekanälen bedienen und gleichzeitig auf allen Plattformen ein einheitliches Erscheinungsbild wahren.

Zur einheitlichen Markenidentität

Die Kunst für Unternehmen besteht nicht nur darin, die sich stetig erweiternde Onlinewelt für sich zu nutzen, sondern ein markenorientiertes Nutzererlebnis zu schaffen, das konsequent umgesetzt wird.

In einem Webinar mit Monotype im Herbst letzten Jahres erklärte Hayley Hughes, Design Language Lead bei IBM, das Konzept der „Einheit statt Gleichheit“ bei der Entwicklung des Markenauftritts über unterschiedliche Plattformen hinweg. Die Idee: Alle Elemente eines Markenportfolios werden aus den gleichen Grundelementen gestaltet, mit den gleichen Schriften, Farben usw. Statt starren Design-Richtlinien zu folgen, sollen alle Teams diese Elemente so einsetzen, dass sie ihrer jeweiligen Zielgruppe am besten gerecht werden.

Die Schrift spielt in diesem Konzept eine entscheidende Rolle. Eine unverwechselbare Corporate-Schrift ist die einfachste Möglichkeit für ein Unternehmen, alle Online-Touchpoints mit ihrer Markenidentität zu verknüpfen. In den Fällen, in denen Gestaltungsmöglichkeiten nur eingeschränkt vorhanden sind, etwa bei responsiven Anzeigen für mobile Geräte, ist die Schrift sogar der einzige Weg, diese Verbindung herzustellen.

Unternehmen brauchen dafür eine Schrift, die ihre Marke optimal widerspiegelt und überall einsetzbar ist, das heißt mit Nutzungsrechten für den Computer (Print- und Onlinebilder), Web, Online-Anzeigen und Apps. Die Lizenzierung kann einzeln erfolgen, oder als Lizenzpaket im Rahmen eines Unternehmensvertrags. Das Lizenzpaket fungiert als Branding-Werkzeug, das der gesamten Organisation zur Verfügung steht. So können alle Teams die gleichen Ressourcen nutzen und ein einheitliches Markenbild auf allen Kanälen sicherstellen.

Was kommt als nächstes?

Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Für das konkrete Beispiel Webseite und für das Thema Onlinemarketing im Allgemeinen zeichnet sich jedoch ein klarer Trend ab. Mit der Zunahme der mobilen Internetnutzung spielen traditionelle Webseiten nur noch die zweite Geige und Unternehmen suchen nach neuen Wegen, um ihre Kunden überall und ganz aktuell erreichen zu können.

Was auf die Webseite folgt, ist schwer zu sagen. Die Google-Suche nach „Trends im Onlinemarketing“ ergibt eine Flut an Mutmaßungen und Vorhersagen. Einige davon mögen richtig sein, andere hingegen sind weit davon entfernt, die Internetgeschichte mitzuschreiben. Nachrichtenapps und Chatanwendungen – die bereits jetzt mehr monatliche Nutzer zählen als Social-Media-Seiten – sowie Chatbots, Personalisierung und ein stärkerer Fokus auf das Kundenerlebnis scheinen in den kommenden Jahren zu den sicheren Mitstreitern im Onlinemarketing zu zählen. Aber es bleibt abzuwarten, was sich wirklich durchsetzt.

Für Unternehmen gilt: Es ist heute wichtiger denn je, die visuelle Markenidentität zukunftssicher zu gestalten. Mit der richtigen Ausstattung ihrer Teams können Unternehmen schnell reagieren, wenn neue Plattformen auf den Markt kommen – mit einem konsistenten Markenbild und einem hochwertigen Nutzererlebnis. Dazu gehört auch, über ein Set aus Schriften zu verfügen, die sich in unterschiedlichen Anwendungsfällen einsetzen lassen.

Letztendlich bestimmen allein die Kunden über die digitale Zukunft. Unternehmen, die darauf vorbereitet sind, dem Feedback von Usern folgen und die Erwartungen ihrer Kunden in jedem möglichen Online-Szenario erfüllen, können den kommenden Jahren gelassener entgegenblicken.